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König Fuad in Berlin

König Fuad in Berlin: Vom 9. bis zum 13. Juni 1929 beehrte König Fuad, Herrscher von Ägypten, die Weimarer Republik mit einem offiziellen Besuch. Mit seiner Visite konnte die durch die Versailler Nachkriegsordnung gegängelte deutsche Außenpolitik einen Achtungserfolg verbuchen, der mehr als nur einen Höhepunkt in den deutsch-ägyptischen Beziehungen markierte und beiden Seiten in der internationalen Arena zur Aufwertung verhalf. Mehr darüber lesen Sie hier.

König Fuad in Berlin

König Fuad in Berlin – feierlicher Einzug durch das Brandenburger Tor

König Fuad in Berlin und das diffizile deutsch-ägyptische Verhältnis

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zählte Ägypten noch formell zum Bestand des Osmanischen Reiches mit einem Khediven als eine Art Vizekönig an der Spitze. Tonangebend im Land am Nil war jedoch der britischen Kolonialismus. Große Teile der ägyptischen Oberschicht hatten diesen Wandel zwar beargwöhnt, waren aber dennoch darauf bedacht, sich mit den neuen Herren aus London gut zu stellen. Am 5. August 1914 versicherten sie dann auch der britischen Regierung ihre Unterstützung bei den Kriegsanstrengungen gegen das deutsche Kaiserreich. Deutschland und der Krieg waren zu dem Zeitpunkt ja noch weit weg.

Mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg geriet dieses System jedoch aus den Fugen. Am 18. Dezember 1914 bekam das Land am Nil den Status eines britischen Protektorats aufgezwungen. Vorbei war es mit dem Amt des Khediven, das bis dahin Abbas II Hilmi bekleidet hatte. An seine Stelle rückte sein Onkel, Prinz Hussein Kamel, der, ausgestattet mit dem Titel eines Sultans, nun Ägyptens Staatsgeschäfte nach britischen Vorgaben führen sollte. Als 8. Herrscher aus der Muhammad Ali-Dynastie verstarb er 63-jährig am 9. Oktober 1917.

König Fuad – ein Monarch bis auf Widerruf?

Fuad, am 26. März 1868 in Kairo als Sohn des Khediven Ismail Pascha geboren, folgte seinem Bruder auf dem Thron des Sultans. Er, der den Genüssen des Lebens sehr zugetan schien und ein aufreibendes Eheleben führte, wurde nun mit Staatsgeschäften betraut, die ihm einiges an Geschick abverlangten. Schon vor seinem Machtantritt waren die osmanisch-deutschen Versuche, über den Suezkanal zu setzen, erfolgreich abgewehrt worden. Dennoch zerrten die von britischer Seite aufgebürdeten Kriegslasten das Land weiter zunehmend aus. Wachsender sozialer Protest war die Folge. Mit ihm wuchs und radikalisierte sich das Verlangen nach Beendigung der britischen Fremdherrschaft, was Fuad bei seinen Staatsgeschäften noch in der Startphase gleichermaßen mit Chancen und Gefahren konfrontierte und zur Vorsicht anhielt.

Ägypten und die Weimarer Republik – Schulterschluss von zwei Ungleichen?

Für reichlich Unmut und Verbitterung sorgte die Pariser Friedenskonferenz mit ihren Nachkriegsregelungen. Deutschland bekam den Versailler Friedensvertrag auferlegt und Ägypten sollte nach den Vorstellungen der dort versammelten Mächte weiterhin britisches Protektorat bleiben. Sogar Österreich sollte bei Abschluss eines Friedensvertrages genötigt werden, diesen Zustand Ägyptens anzuerkennen. Weit mehr enttäuschte bei Ägyptern allerdings die Haltung der US-Regierung, die wohl gegen die Deutschland aufgezwungen Friedensbedingungen Bedenken anmeldete, aber am Fortbestand des britischen Protektorats über Ägypten trotz ägyptischer Ersuchen keinerlei Anstoß zu nehmen gedachte.
Obwohl die Ausgangssituationen grundlegend verschieden waren, hatten Deutschland und Ägypten unmittelbar nach Kriegsende mit ähnlichen Folgeerscheinungen zu kämpfen.

  • Wirtschaftlich ausgezerrt von Kriegsanstrengungen stürzten beide Länder in eine revolutionäre Nachkriegskrise mit Massenprotesten und gewaltsamen Ausschreitungen, die die herrschende Oberschicht um Besitz und Privilegien bangen ließ.
  • Nationalistisch geprägte und gegen Fremdherrschaft schäumende Strömungen und Bewegungen ernteten reichlich Zulauf und drängten an die Schalthebel der Macht.
  • Der außenpolitische und außenwirtschaftliche Handlungsspielraum war durch die Versailler Nachkriegsordnung diskriminierenden Beschränkungen unterworfen.

So sehr Fuad und seinem engsten Kreis an Aristokraten die im Gefolge der Nachkriegskrise zur politischen Kraft erstarkte Wafd-Bewegung auch suspekt gewesen sein mochte, ihr Eintreten für die Beendigung des britischen Protektorats zeitigte letztlich Erfolg. Nach langem Hin und Her kam man in London schließlich nicht umhin, dass Kapitel Protektorat abzuhaken und Ägypten am 28. Februar 1922 – wenn auch mit Einschränkungen – als unabhängig anzuerkennen. Zwei Wochen später, am 15. März, änderte Fuad die Gunst der Stunde nutzend seinen Rang per Erlass von Sultan in König um. Fortan prätentiös als „König von Ägypten und Sudan, Souverän von Nubien, Kordofan und Darfur“ betitelt, blieb er aber ein Herrscher von britischen Gnaden, der angehalten war, im machtpolitischen Ränkespiel nicht zu überziehen, denn wie ein ägyptisches Sprichwort besagt: „Der Büffel prahlt nicht mit seiner Kraft, wenn der Elefant da ist.“ Gedankengänge in Bezug auf König Fuad in Berlin lagen da noch in weiter Ferne.

König Fuad in Berlin – ein Nadelstrich für das Empire

Bis König Fuad in Berlin Einzug halten konnte, galt es allerdings noch einige Wogen im deutsch-ägyptischen Verhältnis zu glätten. Immerhin hatten deutsche Vermögenswerte in Ägypten im Gefolge des Krieges den Besitzer gewechselt. Belange dieser Art konnten zwar reichlich die Gemüter erregen und mochten einem Besuch von König Fuad in Berlin entgegenstehen, aber weder in Kairo noch in Berlin wähnte man sich in der Lage, hierbei kräftig auftrumpfen zu können. Selbst die aus Gremien der Altertumsforschung lancierte Forderung nach Rückgabe der Büste der Nofretete ließ König Fuad eher unter ferner liefen laufen. Deutschland als potenten Wirtschafts- und Handelspartner für ägyptische Entwicklungsvorhaben hinzuzuziehen, besaß Vorrang angesichts der ab Mitte der 20er Jahre einsetzenden Konjunktur. Der Handel mit Deutschland gestaltete sich für Ägypten durchaus profitabel. 1927 konnte man ägyptischerseits einen Überschuss von gut 20 Mio. Reichsmark verbuchen, wobei auf Baumwolle beim deutschen Import ein Anteil von 57 Prozent entfiel. Zweifellos das wohl zugkräftigste Argument für einen Besuch von König Fuad in Berlin.

Die Aussicht, dem mächtigen britischen Empire nebenbei mit einem Besuch von König Fuad in Berlin einen Nadelstich zu versetzen, dürfte außerdem mit im Kalkül gelegen haben. Immerhin gehörte es zur Praxis führender Entente-Mächte, gekrönten Häuptern abzuraten, die mit dem Vertrag von Versailles stigmatisierte Weimarer Republik offiziell zu bereisen, um ihr bloß keine außenpolitische Aufwertung zuteil werden zu lassen.

König Fuad in Berlin

König Fuad in Berlin in Galauniform mit hohem Fez

König Fuad in Berlin – in schwarzer Galauniform und mit hohem Fez

Am 9. Juni 1929 reiste der ägyptische Monarch mit seinem Gefolge von der Schweiz aus per Zug nach Deutschland ein und kam tags darauf in Berlin auf dem Lehrter Bahnhof an. Dem ägyptischen Staatsgast wurde ein herzlicher Empfang bereitet. Eigens für ihn ließ man am 11. Juni auf dem Flugfeld in Tempelhof den namhaften Weltkriegflieger Ernst Udet in die Lüfte steigen, um mit anderen aus seiner Staffel Kunstflugmanöver zu vollführen. Man empfing König Fuad in Berlin im Roten Rathaus und arrangierte Fahrten nach Müncheberg zum Institut für Züchtungsforschung und nach Königswusterhausen zur Besichtigung der dortigen Funkstation. Alles in allem ein Besuchsprogramm für König Fuad in Berlin, das dem Herrscher im Land am Nil sichtlich behagte und ihn bewog, im Anschluss an den offiziellen Teil seiner Visite zwölf weitere Tage auf deutschem Boden zu verweilen, um wichtige Industrie- und Handelszentren unter anderem in Berlin, Hamburg, Halle, München und im Ruhrgebiet persönlich in Augenschein zu nehmen. König Fuad in Berlin zeigte sich zudem in Geberlaune. Dem Berliner Oberbürgermeister spendierte er 20000 Reichsmark, die zur Unterstützung der Armen in der Stadt Verwendung finden sollten.

Für den Fortgang in den deutsch-ägyptischen Beziehungen nahm sich die Bilanz seines Deutschlandbesuches gewiss positiv aus. Auch in den Reihen der kleinen Gemeinde von etwa 2000 ansässigen Deutschen in Ägypten, die lange auf wirtschaftliche Erholung warten mussten, keimte Zuversicht auf. Nur hielt sie nicht lange an. Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise Ende Oktober 1929 machte viele der angedachten Vorhaben im bilateralen Handel und in der Wirtschaftskooperation binnen kurzem zunichte.

König Fuads Herrschaft blieb sein Leben lang von Krisen überschattet. Manche davon waren hausgemacht. Die schlimmsten dieser Krisen brachen aber von außen über Ägypten herein. Er starb am 28. April 1936, als Ägypten noch mit der Überwindung der Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatte und die Nationalsozialisten mit ihren außenpolitischen Akzentsetzungen auch für die deutsch-ägyptischen Beziehungen neues Ungemach erahnen ließen.

Bilder:

Beitragsbild: Bild des Wappens des Königreiches Ägypten (1923 – 1953)
Grafik CC von: Autor: Original PNG file: CrimeCentral

Bild des Einzugs von König Fuad in Berlin durch das Brandenburger Tor
Grafik CC von: Bundesarchiv, Bild 102-07903 / CC-BY-SA

Bild von König Fuad
Grafik CC von: Bundesarchiv, Bild 102-12203 / CC-BY-SA

 

Dr. Klaus Jaschinski, Berlin, den 21.6.2015

weiterführende Links:

Beitrag über die Orientreise von Kaiser Wilhelm II | Beitrag zum Verhältnis von Sansibar Prinzessin und deutschen Kolonialismus | Profil des Autors bei Google Plus

 

Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik

Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik: Was hatte es auf sich mit der Presse- und Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland und dem Kaiserreich Iran unter Schah Mohammed Reza Pahlavi? Welche Blüten diese Konstellation Ende der 50er Jahre trieb, lesen Sie hier:

Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik

Seit Gründung des deutschen Kaiserreiches 1871 mangelte es in den deutsch-iranischen Beziehungen nicht an stürmischem Auf und Ab. Der Tiefpunkt kam am 9. September 1943, als Iran auf alliierten Druck hin Deutschland den Krieg erklärte.

Iran war nur Nebenkriegsschauplatz. Doch brauchte es immerhin gut drei Jahre, bis wichtige offene Fragen im Verhältnis zur jungen Bundesrepublik Deutschland geklärt und diplomatische Beziehungen hergestellt werden konnten.

Noch in dieser Normalisierungsphase bahnte sich Außergewöhnliches an. Meldungen machten die Runde, Irans Schah Mohammed Reza Pahlavi hätte sich kurz nach seiner Scheidung von seiner ersten Frau Fawzia in die junge attraktive Soraya Prinzessin Esfandiary Bakhtiary verguckt. Beide heirateten am 12. Februar 1951. Eine Frau mit deutschen Wurzeln, deren Vater, Khalil Fürst Esfandiary Bakhtiary, überdies noch zum Botschafter Irans in Bonn avancierte. Sie erlangte bemerkenswerte Popularität nicht zuletzt dank der Presse- und Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik.

Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik

Schah Mohammad Reza Pahlavi mit Soraya 1951

Eine „Deutsche auf dem Pfauenthron“

Die deutsche Boulevardpresse jubelte und brachte mit Soraya prompt eine „Deutsche auf den Pfauenthron“. So gesehen lieferte Soraya eine Erfolgsstory, die bestens taugte, um vom Alltagsgeschehen und der darin eingebetteten Bewältigung der Kriegsfolgen abzulenken. Auch im politisch-diplomatischen Bereich schien alles gut zu laufen. Im Februar 1955 kam der Schah nebst Gattin in die Bundesrepublik. Kanzler Adenauers offizielle Visite in Iran folgte zwei Jahre später im Frühjahr 1957. Die Wirtschaftskooperation litt jedoch erheblich unter der notorischen Finanzknappheit der iranischen Partner.

Die vermittelte Erfolgsstory war aber keineswegs märchenhaft und makellos. Erste Trennungsgerüchte waren bereits 1954 aufgekommen. Vier Jahre später, am 6. April 1958, wurde die Ehe geschieden. Einen Scheidungskrieg gab es nicht. Soraya wurde im Grunde großzügig abgefunden.

Schluss, Aus, Ende – hätte man meinen können. Nicht so in der Medienlandschaft der Bundesrepublik. Es gab kaum ein Blatt, in dem im April und Mai 1958 nichts über diese Scheidung stand. Die Boulevardpresse klagte vor allem, weil ihr ein mediales Zugpferd verlustig gegangen war. Damit bot sich Raum für eine kritische Berichterstattung, die hinter die Fassade der aufgebauschten Soraya-Märchenwelt zu blicken vermochte.

 Soraya, Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik

Den Stein des Anstoßes lieferte die Hamburger Illustrierte „Der Stern“. Am 19. April 1958 erschient die Reportage „Tausend und eine Macht“. Auch hier wurde Partei ergriffen für Soraya. Es diente aber mehr als Aufhänger, um die in Iran grassierende Misswirtschaft und am Hof in Teheran gepflegte Verschwendungssucht anzuprangern.

Die Reaktion folgte prompt. Botschafter Gielhammer bekam in Teheran gleich mehrmals Standpauken zu hören. Sein schnell übermitteltes Bedauern der Bundesregierung ob der „taktlosen Äußerungen“ in der Presse schien wenig zu bewirken. Auch Irans Botschafter in Bonn, Khalil Fürst Esfandiary Bakhtiary, Vater von Soraya, musste im Auswärtigen Amt vorstellig werden. Das Teheraner Schahregimes gab sich nicht nur ungehalten. Es verlangte auch, strafrechtlich gegen die verantwortlichen Redakteure beim „Stern“ vorzugehen. Anderenfalls könnte es sogar zu einem Abbruch der Beziehungen kommen. Eine Aussicht, die im Auswärtigen Amt freilich die Gemüter erregte. Außenamtschef Heinrich von Brentano eilte umgehend zu Kanzler Adenauer und beschwor sofortigen Handlungsbedarf unter zu Hilfenahme bewährter Klischees des Kalten Krieges, die DDR eingeschlossen. Rasch war man sich im Bundeskabinett einig, den Ehrenschutz fremder Staatsoberhäupter zu verstärkten. Mehrheitlich billigte man Brentanos Ansinnen, das Strafgesetzbuch der Bundesrepublik um einen Paragraphen zu erweitern beziehungsweise zu ergänzen. Der ominöse Paragraph 103a besagte, dass wer öffentlich in einer Versammlung oder durch Verbreitung von Schriften, Abbildungen, Darstellungen oder Schallaufnahmen, eine herabwürdigende Behauptung tatsächlicher Art aufstellt oder verbreitet, die das Privat- oder Familienleben eines ausländischen Staatsoberhauptes oder eines seiner Angehörigen betrifft und geeignet ist, die auswärtigen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu stören, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird, ungeachtet ob die Behauptung wahr ist oder nicht. Zudem wäre eine Beweiserhebung über die Wahrheit der Behauptung unzulässig. So kam Lex Soraya in die Welt, ohne dass Soraya daran überhaupt mitgewirkt hatte.

Ohne Soraya; Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik

Jene, die Soraya 1955 noch mit der Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt hatten, brachten sie nun mit der angestrengten Strafrechtsnovelle in Misskredit. Auch wenn man in dieser Sache offiziell ihren Namen vermieden hatte, in der öffentlichen Wahrnehmung kursierte sie als Lex Soraya und sorgte für Furore.

Was war es nun, das Adenauer, Brentano und andere im Bundeskabinett hier hatte so umtriebig werden lassen?

  • Die Sorge, dass Iran Gefahr lief, kommunistisch zu werden?
  • Die Möglichkeit einer Anerkennung der DDR durch Iran oder
  • die Erwartung, dass das iranische Beispiel bei anderen diktatorischen Regimes Schule machen könnte und damit eine Häufung von Protesten ins Haus stünde?

Gemessen am Stellenwert Irans in den Außenbeziehungen der Bundesrepublik mutete der hier betriebene Aufwand gewiss als reichlich übertrieben an. Was „Der Stern“ aufgezeigt und angeprangert hatte, war weder neu noch sensationell. Selbst in den USA war man mit dem Treiben des Schahregimes alles andere als zufrieden und drängte nicht von ungefähr auf tiefgreifende Reformen.

Der Protest aus Teheran hatte freilich nur eine Steilvorlage geliefert, um der Presse unter dem Vorwand, den Ehrenschutz fremder Staatsoberhäupter verstärken zu wollen, feste Zügel anzulegen. Man glaubte offenbar in Kreisen des Bundeskabinetts, so einen treffliches Mittel gefunden zu haben, um gleichsam nebenbei unter Beschwörung der Staatsräson über die im Land vonstatten gehende Militarisierung und Renazifizierung ein Mantel des Schweigens ausbreiten zu können.

Lex Soraya und Grundgesetz

Grundgesetz der Bundesrepublik 1949

„Eine Zensur findet nicht statt.“ – Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5, Absatz 1, Satz 3.  Zitat gefunden bei Wikiquote über Pressefreiheit in der Bundesrepublik.

Bis dahin hatte sich die Presse im Verhältnis zu den Staatsgewaltigen überwiegend handzahm gezeigt. Nun raffte sie sich zum Widerstand auf und ließ es auf ein Kräftemessen ankommen. Fazit: Lex Soraya und die Pressefreiheit in der Bundesrepublik waren aneinander geraten. Lex Soraya zog den Kürzeren, passierte nie den Bundestag, erlangte keine Gesetzeskraft und verschwand schon kurz darauf in der Versenkung.

Der „Namensgeberin“ mit ihrem Jetset-Leben erging es danach nicht viel besser. Sorayas angestrebte Filmkarriere verlief im Sande. Ihre Liebschaften nahmen ein tragisches Ende und sie selbst verfiel bald in Depressionen. Sie starb am 25. Oktober 2001 in Paris. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Westfriedhof in München.

Was das Schahregime in Teheran mit seinem Protest losgetreten hatte und mit Lex Soraya gewissermaßen auch noch honoriert bekommen sollte, erwies sich am Ende als Boomerang. Die Wogen in den bilateralen Beziehungen ebbten schnell wieder ab. Die Presse in der Bundesrepublik blieb danach in ihrer Berichterstattung über Iran aber weiterhin überwiegend kühl, distanziert und kritisch. Kein Märchenzauber mehr. Zugute kam es der iranischen Opposition, die mit ihrer Sicht der Dinge fortan verstärkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Bundesrepublik punkten konnte.

Bilder:

Beitragsbild Bild von Soraya
Grafik CC von: wikimedia public domain in Iran

Bild von Hochzeit mit Soraya 1951
Grafik CC von: wikimedia public domain in Iran

Bild von der ersten Ausgabe des Bundesgesetzblatts vom 23.5.1949 mit dem Text des Grundgesetzes
Grafik CC von: wikimedia Bundesgesetzblatt I

 

Dr. Klaus Jaschinski, Berlin, den 22.8.2014

 

weiterführende Links:

Beitrag zur Orientreise von Kaiser Wilhelm II | Beitrag über die Sansibar Prinzessin und deutschen Kolonialismus | Profil des Autors bei Google Plus